| Höhenmeter: | TBD m |
| Strecke: | TBD km |
| Fahrtzeit: | TBD Stunden |
Gastbeitrag von Jochen Klink: KEINE HOMMAGE - EINE REMINISZENZ
Auf dem Papier ist diese fünfte Etappe wahrlich kein Highlight, aber es haben sich im Laufe des Tages wieder einmal Szenen abgespielt, die mich dazu veranlasst haben Markus um einen Gastbeitrag in seinem Tour-Tagebuch zu bitten. Szenen, die in der Literatur irgendwo zwischen Agonie und Ekstase angesiedelt sind - doch der Reihe nach.
Nach einem vernünftigem Frühstück mit äußerst süßem Saft und reichlich Kaffee außer für Jochen „wir haben doch nur ein Klo“ Schulz, machten wir uns oberhalb des Ultnerhofes in St. Gertraud auf unseren Weg gen Rabbijoch. Die Schiebepassagen der vergangenen Tage forderten jedoch langsam ihren Tribut und ich stellte fest, dass meine Bike Schuhe ihrem Ende nah waren. Dies veranlasste mich zu einer freien Interpretation eines Liedes welche die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften erfreut hätte, nämlich: „Mein Glied (Cleat) ist defekt, es war zu viel für mich.“
Ansonsten eigentlich keine bemerkenswerten Vorkommnisse doch ganz unvermittelt war sie dann da. Die Stunde der Gämse (vor der Rechtschreibreform Gemse), und versetzte alle die der Szenerie beiwohnten gleichermaßen in ungläubiges Staunen und beispielloses Entsetzen. Nein, keine Mutation eines wiederkäuenden Paarhufers, es war die große Stunde unseres Markus H. Mori, der sich in der Abgeschiedenheit der italienischen Bergwelt einen Respect Credit nach dem anderen verdiente. Warum, mag sich der geneigte Leser fragen. Nun, ich selbst hatte im Vorfeld und während der ersten Tage unserer Tour schon mehrfach aus der Alpencrossbibel des Uli Stanciu zitiert, in der die Passage zum Rabbijoch wie folgt beschrieben wird: „Selbst für sehr gut trainierte Biker nur ohne Gepäck fahrbar. “Bisher ging ich davon aus, dass Stanciu die Grenzen der Klassifizierung „fahrbar“ mit einer gewissen Unschärfe zieht, hier jedoch hat er keineswegs übertrieben.
In diesem Fall und an diesem Tag war zumindest für Matze und mich beim Anblick der Steigung andächtiges „Nebeneinanderherschieben“ angesagt. Jochen „die Wade“ Schulz versuchte noch ein paar Meter mitzuhalten musste aber einsehen, dass man ohne Hals schlecht husten kann. Einzig Markus zog langsam aber beständig den wirklich (zu) steilen Anstieg hinauf, so dass die Vermutung aufkam, er habe sich während seiner kürzlich begangenen Hochzeitsreise die Unterschenkel abnehmen und durch zwei Hydraulikstößel ersetzen lassen.
Und trotz unserer Hoffnung dass er eigentlich jeden Moment hätte absteigen müssen, erkletterte er sich bis auf ganz wenige Meter zwischendurch das Rabbijoch. Jeder der da schon fahrend und/oder schiebend angekommen ist, wird demütig nickend still applaudieren. Großer Sport, Kompliment.
Die Frage, warum schafft er das und ich trotz ähnlich vieler Trainingskilometer nicht, steht seitdem wie eine dunkle Bedrohung im Raum und schneidet tiefe Wunden in mein Ego. Möglicherweise ist es so, dass sich Mutter Natur als sie Markus´ Astralkörper erschaffen hat, tatsächlich Anleihen in der Fauna suchte und „Gämse“ kein Spitzname, sondern eine Gattungsbezeichnung ist.
Ziehen wir in Ermangelung an Alternativen die Wissenschaft zu Rate. Hier wird die Gämse mit Merkmalen wie einem kräftigen aber gedrungenem Körperbau beschrieben. Passt. Ausgeprägte Beinmuskulatur mit relativ großen Hufen. Passt. Im Sommer ist die Gämse schmutzig rotbraun und die Hinterseite ihrer Schenkel weiss. Passt auch. Einzig der ca. 8cm lange Schwanz der an der Unterseite sowie an der Spitze schwarz sein soll muss erst noch von Markus´ Frau Jule verifiziert werden. Gleiches gilt für die Tatsache, dass er in der Brunftzeit ein übel riechendes Sekret absondert.
Aber nun genug der Gamswildkunde und weiter im Text. Oben angekommen das obligatorische „Passfoto“ vor kunstvoll verziertem Schild (siehe Bilder). Kurz nach der Passhöhe kommt man dann an die Haselgruberhütte, von Kennern auch liebevoll F.....hobelhütte genannt. Berühmt ist diese Lokalität wie wir feststellen mussten, für die überteuerten Getränke. 4 Spezi = 20€, noch Fragen?
Egal, denn der anschließende Trail zog sich sanft am Hang entlang und war einfach traumhaft zu fahren. Just in dem Moment aber, als sich besagter Trail in eine technisch doch recht anspruchsvolle und relativ steile und lange Abfahrt verwandelt hatte, geschah das zweite Ereignis an diesem Tag welches einer redaktionellen Niederschrift würdig ist.
Matthias „er hat den Längsten (Federweg)“ Staudenmeyer schob sich im steilsten und rutschigsten Teilstück in martialisch anmutender Downhill-Haltung an uns allen vorbei. Loser und grober Schotter, oberschenkeldicke Wurzeln, gröbste Verblockungen und scharfe Spitzkehren strafte er mit Missachtung und zirkelte ungerührt und mit stoischem Lächeln gen Tal. Wir glauben er hat sich nicht einmal dazu herabgelassen die Sattelstütze abzusenken. Unglaublich, unwiderstehlich, animalisch, beinahe virtuos.
Nach knapp 20km Trail, Schotter und Asphalt endete die Abfahrt in einem Ort namens Malé. Nein, nicht die Hauptstadt der Malediven, die schreibt sich Male. Nach kurzer Suche war das obligatorische 3-Sterne Haus mit Wellness-Bereich ausgemacht, und nachdem ich die unfreundliche Rezeptionsangestellte (siehe Duden: Hämorrhoidenpritsche) geistig bespuckt und aufs unflätigste beschimpft habe, dann auch schnell das jeweilige Zimmer bezogen. Die Evaluation der hiesigen Gastronomie gestaltete sich etwas zäh, war aber dann so dermaßen von Erfolg gekrönt, dass wir nicht nur am frühen Nachmittag, sondern auch abends zu Gast waren. Nachdem wir mit dem Schuppen und seinem Holzofen fertig waren, konnten die für die restliche Woche zusperren.
Hervorzuheben war vielleicht noch unser, der Tradition folgender, Saunagang. Vielleicht kurz umrissen: teuer, keine Umkleiden sondern Umziehen auf offener Szene, Kameraüberwachter Saunabereich, große Spiegel an jeder Ecke und persönliche Betreuung in der Sauna durch die Angestellte des Wellnessbereichs. Unter uns Pfarrerstöchtern: das war ein eigentümliches Erlebnis um das sich die Legenden der uns nachfolgenden Generationen ranken werden!
Sei es wie es will, nur ein Tag von vielen während unserer drei absolvierten Alpenüberquerungen – für mich jedoch ein weiteres Highlight mit den besten Kumpels die es gibt – ich freu mich jetzt schon auf die nächste Saison!